Was Frauen wollen

„Was Frauen wollen“ titelte die „Kleine Zeitung“ am 8.März, dem internationalen Frauentag. Was wollen Frauen? Sie wollen Kinder, ein Heim, einen  liebvollen Mann und einen erfüllenden Beruf, der sie vom Partner finanziell unabhängig macht, sollte dieser sich ungut benehmen oder sich in eine jüngere und schönere verlieben, der er noch was beibringen kann. Dass Frauen all dies nur in seltenen Fällen bekommen, ist bekannt. Es ist die zeitlich ausgepumpte Alleinerzieherin, die als selbstständig wirtschaftende Einzelunternehmerin versucht, über die Runden zu kommen. Es ist die Angestellte, die auf das Verständnis der Arbeitgeber pocht, weil sie Kinder und Haushalt präzise organisieren muss. Es ist die Arbeiterin, die ihre Arbeit am Fliessband herunterspult und dabei an Zuhause denkt. Es ist aber auch die gut verdienende, berufstätige Mutter die sich ein Kind leistet, ohne den Vater mit einzubeziehen. Ein Glück, wenn es eine Tochter ist.

In der „Kleinen Zeitung“ steht davon wenig. Ja, bin ich denn schon ganz Hübendrüben? In ihr geht es um „Glamour Feminismus“. Da meint die Genderforscherin Ricarda Drücke, vor zehn Jahren wäre das Wort „Feministin“ noch ein Schimpfwort gewesen und mit unattraktiven, männerhassenden Fauen assoziiert. Heute nehmen es Hollywoodstars locker in den Mund, Vorbildfrauen für die junge Generation. Alice Schwarzer hingegen sei konservativ und ihr Ansatz zu den Flüchtlingsfrauen, die in patriarchalischen Gesellschaften aufwachsen und leben, nicht der den die Zeit fordert. Ja, welchen Ansatz fordert denn die Zeit, zum Beispiel in der Flüchtlingsfrage? Welchen Ansatz für das Leben in der Großstadt und das am Land, von dem immer mehr Menschen, auch in Österreich, weg ziehen?

Auf der Wunschseite, einer Sammlung von Träumen und Forderungen ist „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ Gott sei Dank immer noch Thema Nummer Eins, auch die Eigenverantwortung für Lebensunterhalt und Absicherung im Alter. Der Wunsch, dass Frauen eines Tages „wie selbstverständlich in den Führungsetagen von Konzernen sitzen, Raumstationen eröffnen und Gewerkschaften vorstehen“ wird auch geäußert. Na, dann. Viel Spaß, hoch oben. Die Luft ist dünn für wirklich starke Frauen, und Einsamkeit nicht jeder Frau Sache.

Viel mehr Sympathie, als die Vorständin eines die Welt ausbeutenden Riesenkonzerns, erntet die „Ärztin ohne Grenzen“, die HELFERIN. Wobei wir schon wieder bei einem Frauenklischee wären. Schlimm? Meine Vorbildfrauen sind nicht Madonna oder Beyoncee, meine sind  meine Steuerberaterin, meine Anwältin, meine Hautärztin, meine Zahnärztin, meine Augenärztin, meine Psychotherapeutin, meine Marktfrau, meine Änderungsschneiderin – und „das Zimmermädchen“, das seit zwanzig Jahren in dem Hotel, in dem ich jedes Jahr auf Schiurlaub bin, die Zimmer vorbildlich und mit Liebe sauber macht. Alice kommt aus der Slowakei, wo sie Schuldirektorin war. Als solche verdiente sie fast nichts und würde  heute rund 500 Euro verdienen. Als Zimmermädchen in Tirol verdient sie – netto – 1500 Euro plus Trinkgeld. Sie ist fröhlich, telefoniert mit ihren Kindern, die studieren und kann sich auf ihren Mann verlassen, der zuhause in der Slowakei bleibt und im Winter den Haushalt führt. Im Sommer übernimmt Alice Haus und Garten, dann arbeitet der Ehemann am Bau.

Dass es immer mehr Frauen in der Theater- Musik- und Filmwelt gibt, die Regie führen, dirigieren oder ein Bühnenbild schaffen, ist erfreulich. Dass all die Theater- Musik- und Filmleute von heute immer weniger verdienen und in ganz Europa auf der Suche nach Engagements herum reisen müssen, ist weniger fein. Und ob sich Frauen, wenn sie mal ganz oben in der Bühnenwelt angekommen sind, tatsächlich für die kleinen Tänzerinnen, Sängerinnen und Schauspielerinnen einsetzen? Oder lieber doch nur für sich? Ich zweifle.

Nachdem ich mit der „Kleinen Zeitung“ das Feuer im Kachelofen entfachte, musste ich, bevor ich diesen Blog zu schreiben begann, noch mein Auto ausschaufeln, es schneite über 30 cm in letzter Nacht. Das war ganz schön mühsam. Jetzt bräuchte ich einen starken Mann. Einen mit Körperkraft, den würde ich für seine Arbeit bezahlen. Und wieder weg schicken. Wäre er fesch und hätte noch Hirn dazu, dann würde ich ihn glatt zum Ehemann nehmen. Leider ist so ein Mann selten und wenn es ihn gibt, dann ist er sicher schon vergeben. Mit den romantischen Wunschvorstellungen vom idealen, modernen Frauenleben, zu dem auch das Zusammenleben gehört, ist es wie mit den romantischen Vorstellungen vom Leben am Land, zu dem auch der Winter und das Schneeschaufeln gehört.