Warum der Name „Tao-Frau“? | Eine Absichtserklärung

Tao bedeutet im Chinesischen unter anderem „Weg“.

Als ich 1997 mein Buch „Die Tao-Frau – der weibliche Weg zur Karriere“ bei C. H. Beck, München, heraus brachte, wollte ich mir dem Titel das Verbindende herausstreichen, etwas, das Frauen sehr wichtig ist: nicht im Kampf (Yang) das jeweils Andere besiegen oder gar zu vernichten wollen, sondern ein harmonisches Miteinander zu gestalten.

Mir war das deshalb so wichtig, weil damals manche Kolleginnen, die nie eine Führungsposition im Angestelltenverhältnis in einer komplexen Hierarchie bewältigen mussten, begannen, Frauen einzureden, sie müssten wie Männer kämpfen um erfolgreich zu sein. Da ich selbst in einigen Führungspositionen herausgefunden zu haben meine, dass dies ein Fehler ist und frau im Gegenteil ihre Stärken deklariert als notwendige Ergänzung einbringen sollten, wollte ich den „Weg“ dazu aufzeigen – und auch wie man Fallen und Stolpersteinen ausweicht.

Außerdem hoffte ich, dass ich damit einen Platz neben der damals die Bestseller-Listen stürmenden „Wolfsfrau“ von Clarissa Pinkola Estés erlangen könnte.

Aber offensichtlich war das Bedürfnis, als Frau mal endlich richtig bissig sein zu dürfen, größer … das zeigte sich am Erfolg von Ute Ehrhardts „Brave Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“.

Denn ich hatte den weisen Spruch meines Jungianischen Lehranalytikers (ich bin aber eine Freudianische Psychoanalytikerin!) im Ohr:

„Yang auf Yang bricht die Knochen – Yang muss mit Yin beantwortet werden – und umgekehrt!“

und wusste vor allem aus meiner 15 jährigen Erfahrung als Kommunalpolitikerin nur zu gut, dass das stimmt.

Wir werden mit Kategorien von „richtig oder falsch“ erzogen. Es gibt aber immer mehr als zwei Problemlösungen – nur braucht es mehr Nachdenkzeit, die zu finden oder zu erfinden.

Als Juristin habe ich genau dieses „lineare“ Denken vermittelt bekommen – als u. a. auch systemisch ausgebildete Psychotherapeutin hingegen bin ich darauf trainiert, „komplex“ (wie in einem Torten-Diagramm) zu denken: Eine Torte kann man in zwei Stücke schneiden – oder in viele …

Frauen erleben in ihrer Lebensweilt viele „Zwei-Teilungen“: Hausfrauen gegen Berufsfrauen, mit Kinder gegen ohne Kinder, mit Mann gegen ohne Mann, schlank gegen dick, sexy gegen unauffällig, und vor allem: Junge gegen Alte.

Da wir heute so alt wie nie zuvor werden (können), braucht es daher neue Rollenvorbilder als die unserer Mütter und Großmütter.

Wir brauchen nur nachzudenken, in welcher Zeit diese „sozialisiert“ wurden und welche Frauenbilder sie an uns weiter gegeben haben – in der Monarchie, in den Roaring Twenties, im Ständestaat, im  Dritten Reich … und was haben wir 1968er für unser letztes Lebensdrittel mitgenommen?

Das sind die Themen, die mich interessieren, an denen ich arbeiten mag – und mit denen ich hoffe, Extreme auf ihre Gesundheitsförderlichkeit zu überprüfen und andernfalls zu enttarnen.