Überalterung?

Wo das bürgerliche Lager bleibe, lautete in orf online die frage an Politologieprofessor Peter Filzmaier, und der meinte, es „liefe“ nach allen Richtungen „aus“. Ein Auslaufmodell also. Und dann sprach er von Überalterung und dass sich die ÖVP nur mehr auf pensionierte Beamte und Gewerbetreibende verlassen könne.

Was versteht der allgegenwärtige Politkommentator unter „bürgerlich“? An wen denkt er dabei? An Lehrkräfte, Richterschaft, Offiziere, Polizisten … oder an die Ärmelschonerträger in den Karikaturen von Dieter Zehentmayr?

Ich selbst unterrichte, trainiere und supervidiere in den genannten Berufsgruppen – aber die angesprochene Bürgerlichkeit finde ich dort nicht. Die finde ich eher als ehemaliges und konserviertes Aufstiegsziel bei der roten Stammwählerschaft. Dass sich Gewerbetreibende in der SPÖ nicht vertreten fühlen, liegt auf der Hand – immerhin sind sie das traditionelle Feindbild von ÖGB und AK und die Melkkühe der Nation. Aber gerade diese Berufsgruppe wird immer „grüner“ – wie überhaupt der satte Bürger der Gründerzeit durch den engagierten Citoyen der Zivilgesellschaft abgelöst wird. Und der ist zunehmend weiblich, innovativ und unternehmenslustig – und oft auch „alt“.

Der umtriebige Politprofessor sollte zwischen seinen Jobs als Fernsehkommentator, Publizist, Unternehmer und gelegentlichem universitär Lehrenden mehr an der Basis forschen, dann würde der heute 48jährige erkennen, dass es keine „Überalterung“ gibt sondern nur Menschen unterschiedlichen Alters, die alle wertgeschätzt und aktiv sein wollen und die man das kaum lässt … außer sie heißen Hugo Portisch oder Erika Pluhar.