Beiträge

Rosengarten

Es war in den Jahren, als mein Alleinerziehertum mich am heftigsten beutelte. Ich musste erkennen, dass die Verpflichtungen, Geld zu verdienen und eine gute Mutter zu sein, unvereinbar sind. Immer zu wenig Kohle, immer zu wenig Zeit, immer im Stress, immer im Rückstand, so sehr du dich auch zerfranst. Bei einem 9-to-5-Beruf ginge das vielleicht noch, aber im Quasi-rund-um-die-Uhr-Job einer Journalistin? Kurzum, ich war wieder einmal total übermüdet, ausgelaugt, überfordert.

Da kam Betty Friedan nach Wien, die Urmutter des US-Feminismus, Autorin des bahnbrechenden Schmökers „Der Weiblichkeitswahn“, eine Generation älter als Alice Schwarzer. Nach der Pressekonferenz im Club Concordia klagte ich ihr mein Leid: „Nun habe ich eigentlich alle Erfordernisse der Emanzipation erfüllt; habe meinen Wunschberuf, mein eigenes Geld, keine Abhängigkeit von einem Mann, eigene Kinder – aber ich fühle mich elend, ausgebrannt, mies. Ich habe mir die Emanzipation anders vorgestellt.“

Weiterlesen