Sexualphobien

Nun ist also der wahrheitsmutige Krzysztof Charamsa nicht nur seiner Vatikanfunktion und Lehrbefugnis enthoben worden sondern vom Bischof seines nordpolnischen Heimatbistums auch seines Priesterstandes, lese ich soeben in ORF online. Nun– die Priesterweihe besitzt „character indelebilis“ habe ich seinerzeit im Jusstudium gelernt – sie ist unaufhebbar. Einmal Priester – immer Priester.

Bei der sexuellen Orientierung ist das nicht so … Ich habe etliche Männer therapeutisch begleitet, die sich jahrelang für genuin schwul gehalten hatten und sich plötzlich in eine Frau verliebten; manche hatten diese dann wieder mit Männern betrogen und so für totales Chaos in der „Beziehungskiste“ gesorgt … und dann gab es wieder heterosexuelle Männer, die sich auf einmal bei einer sportlichen Balgerei oder unter der Gemeinschaftsdusche in einer mehr als erotischen Situation befanden und nachher von Schuldgefühlen zerrissen waren …

Das späte Coming Out hingegen kann als bekannt vorausgesetzt werden.

Und dann gibt es noch etliche heterosexuelle Männer, die einfach aus Neugier – oder weil sie sich das Hetero-Gebalze ersparen und doch heißen Sex haben wollen – bei passender Gelegenheit in die „Szene“ begeben (und oft danach erpresst werden).

Man muss also zwischen sexueller Orientierung und sexuellen Praktiken unterscheiden, und sexuell aufgeklärte „religiöse Experten“ tun das auch. Die anderen phantasieren wild à la Pornofilm und agieren dann ihre Erregung in Respektverweigerung und Strafaktionen gegenüber denen aus, die anders sind als sie, die sich für die einzig richtigen Vorbilder halten. Jesuanisch ist das nicht: Jesus hat sich besonders der Diskriminierten angenommen – denn Diskriminierung ist Menschenwerk und liegt nicht in Gottes Plan, seine Schöpfung zu hegen und zu beschützen (Gen 1,28).

Was aber vielfach übersehen wird: Wenn Menschen einander wertschätzend, einfühlsam, liebevoll begegnen, entsteht eine Form von Nähe und Intimität, die auch zu zärtlichen Handlungen führen kann (wenn man das will), und das stärkt gerade bei älteren Menschen nachweislich die Gesundheit und auch den Lebenswillen. Nicht jede gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft ist eine permanente Sex-Orgie! Das phantasieren nur die, deren Gedanken pausenlos um den Sex kreisen, den sie selbst nicht haben. (Und Sexakrobatik ist meist in höherem Alter ohnedies nicht mehr erwünscht oder durchführbar!)

Wenn man – endlich! – für sich selbst herausgefunden hat, wer man wirklich ist, und eine Partnerperson gefunden hat, mit der man gegenseitige Unterstützung leben kann (und das Strafgesetz nicht verletzt), ist das doch ohnedies schon hochachtenswert!