Revierkämpfe

Vorigen Samstag hatte ich einen Vortrag am Hainburger Frauengesundheitstag zu halten. (Zu der seltsamen Grafik des Werbefolders habe ich schon am 28. Jänner über „Männerträume“ >>> geschrieben.)

Mein Vortrag sollte um 15.30 beginnen – aber mein Vorredner, der Gynäkologieprimar des Landesklinikums Hainburg, machte keine Anstalten, das Rednerpult zu räumen. Also marschierte ich wagemutig um 15.25 in den Vortragssaal und nahm demonstrativ mit meinen Unterlagen einen Sitz in der ersten Reihe in Beschlag.

Der Herr Primar reagierte wütend: Er wies mich in die Schranken, mit dem Hinweis „er dürfe bis 15.30 reden“.

Das dürfe er nicht – da begänne nämlich meine Zeit – sagte ich, und vorher müsste der Saal geräumt und gelüftet werden, das Publikum wechsle ja … Sein Publikum, vorwiegend ältere Frauen, hielten lautstark zum Manne. Eh klar – das ist das Lernergebnis aus ihrer Generation: Unterwerfung unter den Mann, auch wenn sich dieser inkorrekt verhält.

Der „junge Mann“ – zwar vermutlich Ende fünfzig, dennoch aber eine Generation unter meiner, könnte daher mein Sohn sein – bewies mangelnden Respekt im „Teilen“ von Raum und Zeit.

An der Universität – wo ich ja kürzlich erst mein Viertstudium beendet habe – pflegen sich Professoren zu entschuldigen, wenn sie Zeit überziehen – und zwar nicht nur bei nachfolgenden Lehrenden sondern auch bei der Zuhörerschaft – die brauchen nämlich auch Zeit, von einem Hörsaal in den anderen, oft sogar von Haus zu Haus zu wechseln. Wenn ich selbst unterrichte – derzeit an der Universität Wien – pflege ich das auch so zu halten: Ich will nämlich niemandem Stress machen.

Aber wie das Beispiel zeigt: Manchen Ärzten ist es egal, ob sie die psychische Gesundheit anderer schädigen – sie merken gar nicht, wie sozial inkompetent sie sind. Deswegen muss man es ihnen sagen – sonst lernen sie nichts dazu.