Pausieren

„Was ist los mit Dominik Thiem?“ wird heute (29. Juli)  in den Salzburger Nachrichten gefragt, denn nach der Aufgabe im ATP-Masters-1000-Turnier in Toronto gäbe seine Fitness Rätsel auf und machen den Trainer ärgerlich.

Was mich wundert, ist, dass man(n) sich offensichtlich wundert, wenn ein Mensch – und auch Spitzensportler sind nur Menschen! – nicht wie eine Maschine funktioniert.

Dabei wissen wir doch alle – ab einem gewissen Alter, bei Frauen meist ab 30, bei Männer oft erst ab 70 – dass alles sein Verbrauchsdatum hat und dass dieses von der Benützungshäufigkeit abhängt: Je wilder, je unbedachter man drauf los agiert, desto früher geht es kaputt. Das gilt auch für die „hardware“ Körper – auch wenn es die „software“ Phantasie nicht wahrhaben will.

Das dem Englischen entstammende Wort Stress bedeutet die Belastbarkeitsgrenze eines Materials – wann also ein Faden reißt, ein Bugholz bricht, ein Lebensmittel verdirbt … bei einem ist es der Zug, beim anderen der Druck, bei letzterem sind es Bakterien etc. oder Hitze oder Kälte … und beim Menschen ist es alles zusammen und nicht nur Materielles sondern auch Immaterielles wie Worte, Beziehungen oder auch Blicke, die Hochstress auslösen können, wenn sie beispielweise unentwegt die Seele vergiften.

In der Jugend will man das nicht wahrhaben – auch wenn seelische wie körperliche Schmerzen warnen (und liebende Frauen, aber die werden selten ernst genommen).

Schonungsvoller Umgang wäre daher sinnvoll.

Wir leben in einer dualen Welt – einer Welt der Gegensätze, die ausgeglichen werden müssen, wenn man die Schöpfung bewahren will: Jede Anspannung braucht daher Entspannung – so wie jedes Einatmen Ausatmen braucht und jeder Höhenflug Ruhelage. Wer auf den Körper hört, kommt dabei vielfach ins Dilemma zwischen Wunschvorstellung der pausenlosen Fitness (im Sinne der Fitness-Studios) und der wörtlichen Fitness, nämlich Anpassung an die aktuellen Gegebenheiten.

Dass und wie Stars von ihren Trainern – die ja durch sie massiv verdienen – gepusht werden, wissen wir seit dem dramatischen Lebensende von Elvis Presley. Aber in den Medien sollte doch gesundheitsbewusst Bericht erstattet werden: Wer verletzt, angeschlagen,  beeinträchtigt ist, soll und darf ausgeheilt werden und die dazu nötige Zeit bekommen bzw. sich nehmen.

Ein Mensch ist achtenswert, auch wenn er und besonders sie nicht mehr 150 % fit ist.