Nach der Wienwahl: Sprachverwirrungsspiele

Die Situation in Simmering sei inakzeptabel, zitiert der heutige Kurier den alten/neuen Wiener Bürgermeister Michael Häupl. Was meint er damit? Das Wahlergebnis? Das wird man, so man sich als Demokrat versteht, wohl oder übel akzeptieren müssen. Und: Dass man „die ehemalige Sekretärin und Witwe von Bezirkslegende Johann Hatzl zur Bezirksvorsteherin gemacht“ habe, wäre als katastrophaler Fehler kommentiert worden. Die „Sekretärin“ war dies übrigens in der Zeit, als ich dort Bezirksrätin war, in der Bezirksvorstehung Favoriten beamtet und durchaus kompetent in Sachen Bezirksverwaltung, wenn auch eine eher stille Frau und nicht so dröhnend wie der Bürgermeister und sein Herausforderer, der sich so gerne duellieren wollte.

Es ist so leicht, eine Frau zum Sündendock zu stempeln.

Leicht ist es auch, Menschen durch Fremdworte zu verwirren. Grätzelmediatoren sollen, so Häupl, die neuen „Ansprechpartner“ sein, die sich „um die Wiener kümmern sollen“: „Die müssen Zuhören können, aber auch Problemlösungen bieten“. Ja weiß er denn nicht, dass Mediatoren eben gerade keine Problemlösungen anbieten (dürfen) – das ist immer noch Aufgabe der PolitikerInnen. (Wo bleiben übrigens bei diesem Thema die Frauen?) Mediatoren moderieren in bestimmten „Techniken“ Konflikte zwischen gegensätzlichen Interessen, ohne in eine bestimmte Richtung zu raten oder gar zu drängen, damit die Konfliktparteien selbst die für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösungen erarbeiten können. Solch eine Schulung wäre allen PolitikerInnen anzuraten. Kann man übrigens bei mir lernen, siehe www.salutogenese.or.at.

Ich erinnere mich noch gut an die erste Fraktionssitzung nach einer für die SPÖ unerfreulichen Personalvertretungswahl, in der die damalige Personalstadträtin Friederike „Fritzi“ Seidl ankündigte, man „brauche“ jetzt eine interne Zeitung, damit die Magistratsbediensteten „unsere Leistungen anerkennen“.  Ähnlich wurde ich von der damaligen Favoritner Bezirksfrauenvorsitzenden Erika Krenn gemaßregelt, als sich in dem von mir geleiteten Kommunikationszentrum Club Bassena eine Bürgerinitiative gebildet hatte. „Wo gibt es denn das – dass die Leute in einer Einrichtung, die WIR für sie gemacht haben, GEGEN uns auftreten?“

Meinungsfreiheit – wo bist du geblieben?

Dazu heute im Kurier: „Auch ein weiteres Problemkind wurde am Montag in den Parteigremien besprochen: die Seestadt Aspern. Dort hat man den Menschen nigelnagelneue Wohnungen mit günstigen Mieten samt U-Bahn-Anschluss und See hingebaut – und dennoch wurde die FPÖ in diesen Wahlsprengeln Erster.“ Das ist Paternalismus vom Feinsten: So wie viele Männer meinen –  ich zitieren den Kabarettisten Leo Lukas – wenn sie ihren Frauen viele Regale zusammenbauten, müssten sie doch geliebt werden … dabei werden sie aber nicht einmal mehr „gebraucht“. Ikea-Regale zusammenbauen können Frauen auch.

Und außerdem, so Häupls Landesparteisekretär, „brauche“ man jene, die sich am Westbahnhof engagiert haben.“

Brauchen – gebrauchen?

Merkt er denn nicht, dass diejenigen eigenbestimmt agieren – und keine Politiker „brauchen“?