Monogamie

„Osternest im Heft!“ und „Vorstadtmänner“, „Achtung Schnäppchen!“ und dann „Monogamie – alles Lüge? So betrügen Frauen (immer häufiger und immer raffinierter)“ lese ich auf dem Inserat mit dem Cover der Zeitung WOMAN.

Interessante Verknüpfung: „Monogamie“ und „Betrügen“! Hat da eine mit der Moralkeule zugeschlagen?

Denn: „Betrügen“ – also ein Versprechen oder einen Vertrag zu brechen, hat doch nichts mit Monogamie zu tun! Das eine ist ein Verhalten – mal listig, mal sportlich, mal risikofreudig, mal ausbeuterisch, … immer jedoch unehrlich; das andere ist ein beobachtbares Phänomen – entweder eine juristische Vorschrift oder eine Selbstverpflichtung, egal aus welchen Gründen. Bequemlichkeit etwa. Oder Energiemangel, Lethargie, Depression. Oder Repression: Um Menschen unter Kontrolle zu halten und Angst auszulösen, wenn ihnen nicht gelingt, nur einer Person die sexuelle Treue zu halten. Das aber hat mit der Tiefe der jeweiligen Beziehung zu tun.

In meiner Jugend – der „bösen, der pillenlosen Zeit“ – war es die Angst vor unerwünschten Schwangerschaften, die Frauen zur sexuellen Treue verpflichteten, Männer hingegen durften unter dem Schutzmantel der Doppelmoral wild in der Gegen herumzeugen und sich nachfolgenden Verpflichtungen mit Augenzwinkern (und Zustimmung der Männergemeinschaft ausgenommen Väter von „ledigen Mütter“) entziehen.

Tatsächlich hat es wirtschaftliche Gründe, ob Vielweiberei oder auch Vielmännerei – ja auch die gibt es! Nachzulesen bei Yang Erche Namu, Das Land der Töchter, Ullstein Verlag – die gesellschaftliche  Norm darstellt, Besitzerprotz als Methode im Konkurrenzkampf inklusive.

Unabhängig von solchen Geboten und Verboten gibt es aber das Phänomen der sexuellen Energieüberflutung, die Widerstand unmöglich macht und Grenzverlust initiiert. In westlichen Gesellschaften, wo Frauen nicht mehr haremisiert oder anderwärtig isoliert sind, wo vielfältige Möglichkeiten von Kontakten und Nahebeziehungen zwischen Menschen bestehen, können leicht die „Funken überspringen“ und erkaltete Menschen wieder „entflammen“. Achtung Schnäppchen! Darf heute auch ein Vorstadtmann sein, nicht nur wie dazumals der Latin Lover im Urlaub … und auch ein Osternest aufbauen.

All das fällt aber nicht unter Betrug. Macht doch niemand absichtlich … aber wenn doch, dann aus Rache. Oder Enttäuschung. Ist aber oft fast das Gleiche.

Nur wenn man wirklich tief liebt – so, dass zwischen den beiden kein Platz für eine/n Dritte/n bleibt – ist Treue unvermeidliche Selbstverständlichkeit. Aber um sich in dieser Tiefe zu verankern, braucht es Zeit, die heute fehlt (oder auch gar nicht gewollt ist).

So schnell wie im Film geht das eben nicht im wirklichen Leben.