Moden

Ich würde schon schön schauen, sagte mir einmal der wortgewaltige Salzburger Weihbischof Andreas Laun, wenn die Muslime ans Ruder kämen und ich dann mit einer Burka gehen müsste. Dass mir das nichts ausmachen würde, wollte er mir nicht glauben.

Tatsächlich gehen mir Modediktate immer schon auf den Geist. Vielleicht liegt das daran, dass ich seinerzeit jahrelang das einzige Mädchen in einem humanistischen (heute „altsprachlichen“) Gymnasium für Knaben – denn damals gab es noch keine Koedukation – war. Schminkparties und Shoppingreisen nach München oder Udine  haben keinerlei paradiesische Qualität für mich. Buchhandlungen und Bibliotheken mit Schmökerecken schon.

Mode hat aber doch auch einen besonderen Reiz für mich: Wenn ich sie selbst herstellen kann.

Gerda Christoph

Gerda Christoph

Zwar trage ich meine Kunstwerke eher selten, weil ich den Mao-Look bevorzuge – und jetzt als Pfarrerin in spe auch endlich gerechtfertigt ausleben kann – und würde sie am liebsten an Bambusstangen an die Wände hängen wie Hermann Nitsch seine Büßerhemden, nur habe ich kaum freie Wände – die gehören meinen rund 20.000 Büchern.

Das war immer schon so – auch in den Jahren, in denen meine Geschlechtsgenossinnen ihre Reize oder was sie dafür hielten in textilen Auslagen zur Schau stellten (und sich dann bei mir beklagten, wenn sie die gierigen Blicke der falschen Voyeure verspüren).  Es ist doch eher die Lust an der Verkleidung als an der Entkleidung, die Menschen nach ihrem eigenen Stil suchen lässt – fernab von dem, was als „in“ propagiert wird.

Verkleidung heißt für mich: Sich die passende „Haut“ erfinden, die signalisiert, als wer man wahrgenommen werden will – Betonung auf „wahr“.

Ich finde es peinlich, wenn Frauen im Großmutteralter sich wie Teenager kleiden oder wie ein glamouröser Stummfilmstar, und ich finde es ärgerlich, wenn mit dem Kampfruf „Sei nicht altmodisch“ altmodische Mode propagiert wird. Will frau in ihren 60ern und 70ern wirklich als ewige „Dame“ – im grauen, beigen, dunkelblauen, schwarzen Ensemble – auftreten? Oder darf’s auch ein bisserl schelmenhaft sein? Ein bisserl Vivian Westwood? Oder Lina Wertmüller?