Mediocracy

Wir leben also nun in einer Mediengesellschaft, und wer ähnlich aussieht wie ein bekannter Filmstar und so schnell redet wie ein Talkmaster (auf den Inhalt kommt es ja meist nicht an, würde in der Geschwindigkeit ohnedies vom Durchschnitts“denker“ nicht verstanden) – und Wuchteln druckt wie ein Bierzeltkabarettist, dem sind die Herzen und die Zustimmung der Gleichgesinnten sicher. Das merkt man am amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf.

Auf den „Sager“ kommt es an – Hauptsache man kann dazu gröhlen. Und dass man in die Medien kommt. Da kann die Aussage noch so tief, noch so kriminell sein …

Donald Trump (70 vorbei, studierter Ökonom, aber davon merkt man nichts, Berufsbezeichung Immobilien-Tycoon, also ein Spekulant) pöbelt alles an – das lesen, hören und sehen wir tagtäglich. Ich dachte, dieser Typ von Politiker sei seit Adolf Hitler obsolet …

Seine Gegenkandidatin Hillary Clinton (demnächst 69, studierte Politikwissenschafterin, Psychologin und Juristin, Rechtsanwältin und dabei Migrationsexpertin bzw. zuletzt Außenministerin) hingegen zeigt tagtäglich ihre politische Kompetenz und menschliche Souveräntität – auch wenn ihre Gegner sie laufend zu beschädigen versuchen – so nach dem Motto: irgendwas bleibt immer hängen.

Ich kenne das aus meiner eigenen Biographie: Es gibt immer Kollegen und Kolleginnen, die sogar die unvermeidliche Konkurrenz nicht aushalten. Schon im Nibelungenlied konkurrieren Brunhild und Krimhild, wer als erste durch die Tür gehen darf. Wie wenn das nicht unerheblich wäre. Nicht unerheblich hingegen ist diese Rivalität. Die ist nämlich etwas anderes als Konkurrenz. Sie ist feindlich, auf Beseitigung ausgerichtet – das Wort stammt ja auch vom lateinischen riva, der Fluss, und erinnert an die Kämpfe um den Zugang zur Wasserquelle. Konkurrenz kann durchaus freundschaftlich sein – das sieht man an sportlichen Wettkämpfen.

Es gibt einen Film mit Namen Idiocracy (Regisseur Mike Judge, 2006), in dem satirisch dargestellt wird, wie der unfähigste Beamte und eine Prostituierte für ein wissenschaftliches Experiment eingefroren werden und infolge des Klimawandels irrtümlich etliche Jahrzehnte später auftauen. Sie geraten damit in eine Welt von infolge zuviel TV und Knabberchips geistig Rückentwickelten, die die primitivsten Sozialtechniken nicht kennen. So bewässern sie ihre Felder mit Gattorade und wundern sich, dass nichts wächst – aber „das Wasser wie das aus der Toilette“ ist pfui, hat ihnen die Werbung eingeredet.

Ich fürchte, Filmemacher wie Mike Judge sind so visionär wie Jules Verne, dessen Roman „Reise um den Mond“ man seinerzeit auch für reine Utopie gehalten hat …