Liebe Rotraud Perner!

Vierzehn Bücher schrieb ich bisher, zwei Bestseller waren darunter. Ich habe damit nicht allzu viel, aber immerhin etwas Geld verdient und konnte stets sogar mit Anzahlungen rechnen. Aber nun habe ich ein Problem: Ich finde keinen Verlag mehr, mit dem ich halbwegs kostendeckend arbeiten kann. Das Thema wird sich nicht so gut verkaufen, heißt es. Damit WIR kostendeckend produzieren können, sollten Sie uns schon zweihundert Exemplare abnehmen. Was? Geht nicht? Ja, dann finden Sie doch einen Sponsor. Die Stadtgemeinde, den Fremdenverkehrsverein oder die Sportwetten. Schauen Sie: Den Radweg Guide haben wir sehr gut verkauft. Der hat sich selber finanziert, die Autorin hat alle Gasthäuser entlang der Route besucht.

Ein Buch schreibt sich nicht in ein paar Wochen.
Aber geht es dem Verlag überhaupt um den Text?

Nein, es geht um die Kohle, und die erwirtschaftet auch ein Verlag über die Bestseller Liste, über die Auftritte der Autoren und Autorinnen im Fernsehen – im FernSEHEN wohlgemerkt und nicht im FernHÖREN. Und über die Lesereisen, die mehr mit dem AutorenSCHAUEN als mit dem TextHÖREN zu tun haben. Das Wichtigste beim AUTORENSCHAUEN ist das Signieren des Buches mit persönlicher Widmung. Dabei können die Käufer, meist sind es ja Käuferinnen, dem Autor oder der Autorin ins Gesicht, auf die Hände, in den Ausschnitt oder sonst wohin schauen. Am liebsten schauen sie Prominenten beim Signieren zu. Leserin und Leser können dabei sogar den Atem der großen Welt spüren. Weshalb sich Bücher, und seien es die blödesten Bücher, die je geschrieben wurden, also etwa Texte von bekannten Fernsehansagerinnen, Skandalnudeln oder Fernsehköchen (männlich, bitte), besonders gut verkaufen. Von einem sehr bekannten deutschen Verlag, dessen Namen ich mir hier nur denke, ihn aber nicht schreibe, ist bekannt, dass Manuskripte von nicht prominenten Frauen über Fünfzig n i c h t angenommen werden, da sich diese Frauen nicht vermarkten lassen. Noch unbekannte Autorinnen, die dran kommen, müssen sehr jung und telegen sein. Keine braucht mehr mit dem Chef zu schnakseln. Sie muss nur in der Öffentlichkeit gut rüber kommen. Dann kann was aus ihr werden. Mit ihr kann sich dann ein alter und schiacher Moderator unterhalten, in der Hoffnung, bald ein Buch über seine Gästin zu veröffentlichen. Im Fernsehen natürlich.

Ich, liebe Rotraud Perner, bin 67 und weder alt noch schiach. Im Gegenteil. So fesch und frech wie jetzt war ich noch nie. Ich kann außer schreiben auch emailen, twittern und bloggen. Haben Sie Platz für mich?

Vielleicht in Ihrem neuen Blog?

Herzlichst
Ihre Friederun Pleterski