Kopfgeld

46 Jahre, also viel länger als üblich, leistete ich meine Sozialbeiträge zum Wohl der Allgemeinheit. Netto bekomme ich nun rund 2200 Euro vierzehn Mal im Jahr. Die Fixkosten (Krankenzusatzversicherung, alternative Gesundheitsvorsorge und Krebsnachsorge, Betriebskosten für die Wohnung,  Sport- und Vereinsaktivitäten, Fahrtkosten) betragen rund eintausend Euro. Von einem Zusatzeinkommen kassiert der Staat die Hälfte. Mir geht es finanziell gut, und den Pensions-Hunderter den wir nun (fast) alle bekommen, will ich nicht haben. Ich hätte lieber eine Inflationsanpassung wie die arbeitende Bevölkerung sie bekam, schließlich zahlte ich 48 Jahre lang nicht in m e i n e Pension ein, sondern finanzierte damit den Sozialstaat der jeweiligen Gegenwart.

Also beschloss ich, den Pensions Hunderter schon als er publik wurde, los zu werden. Ich mag keine Almosen. Ich habe geleistet und will dafür Gerechtigkeit – im Übrigen auch für die Frauen mit Halbtagsjobs, und vor allem für die so genannten „Unternehmerinnen“, deren Firma eine einzige Angestellte hat, die gleichzeitig Inhaberin und Chefin ist. Nie werde ich eine Leidenskollegin in der Zeit der Chemotherapie vergessen, die eine „neue Selbstständige“ in einem Gesundheitsberuf war und der die Kunden nachdem sie sich mit Glatze outete, wegblieben. Die laufenden Kosten musste sie begleichen. Wovon?

Als Erstes dachte ich an meinen „personal Gipsy“, einen Profi-Bettler, für den ich immer ein offenes Börserl hatte. Er ist schon ein älterer Herr, grüßt immer freundlich, wünscht mir alles Gute und ist ein armer Teufel, der hinkt und alle möglichen Krankheiten hat. Ihm wollte ich den Hunderter spenden, doch dann sah ich ihn vor mir am Perron der U Bahn. Wie flink er war und sein Stöcklein schwang, wie er in die Bahn hinein hüpfte und um wie viel jünger er dabei aussah. Mein Börserl habe ich seither für ihn nicht mehr aufgemacht.

Dann wurde ich auf die Homepage von respekt. net aufmerksam. Man kann an diese Adresse seinen Hunderter schicken, man kann sich aussuchen für welches soziale Projekt er verwendet werden soll (sie haben mehrere zur Auswahl.) Ich habe überwiesen. Viele PensionistInnen haben es mir bis jetzt noch nicht gleich getan (das ist aus der offen liegenden Bilanz der Organisation ersichtlich) . Nun ja, es war Weihnachten, die Geschenkerln für die Enkerln waren zu finanzieren und vielleicht auch „Licht ins Dunkel“.

Die 300 Kopfgeld Millionen werden nicht nur bei den Bedürftigen landen, die sich freuen werden wie einst die Jungen in Kärnten, denen Jörg Haider einen Tausender überreichte, damit sie ein Moped anzahlen können.

Der Möglichkeiten, das Hunderter-Kopfgeld einem anderen Kopf zu spenden, direkt oder über eine Organisation gibt es viele. Wenn man will, wird  einem etwas einfallen. Auch jetzt, nach Weihnachten.