Internationaler Frauentag

Internationaler Frauentag – und in den Medien dreht sich alles um Gewalt gegen Frauen: Das Team Stronach verteilt Pfeffersprays, der ORF lässt Promis Bekenntnisse gegen Gewalt sprechen, die Tageszeitungen berichten von der sexuellen Übergriffen und der nach wie vor schreienden Entlohnungsungerechtigkeit … und aus der Pharma-PR kommt der tagesaktuelle Hinweis, was frau gegen Wechselbeschwerden tun kann …

Damit wird Frau zum Objekt von PR herabgewürdigt.

Ja gibt es denn nur Frauen als Opfer von Männergewalt (auch der beruflichen!) oder von Hormonbeeinflussung?

Jedes Mal, wenn Frauen so präsentiert werden, verdichtet sich diese Sicht.

Jedes Mal, wenn ein Mann sich gegen Gewalt gegen Frauen ausspricht, wird das männliche Retter-Bild der Märchen wiederholt. In der Realität gibt es das nämlich kaum.

„Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun“, heißt es im Lied der Sozialistischen Internationale.
Daher: Frauen für Frauen!

Wie lobenswert, dass der ORF wenigstens im Vorabend- und Spätnachtprogramm Porträts starker Frauen bringt! Das ist es nämlich, was Frauen brauchen: Weibliche Vorbilder von Eigenständigkeit und Standhaftigkeit – und zwar nicht nur (scheinbar) unerreichbare, sondern alltägliche – und nicht nur solche, die es „geschafft“, weil nicht locker gelassen haben, sondern vor allem die, die aktuell nicht locker lassen. Frauen, denen erfolgreiche Unternehmensgründungen nicht zugetraut werden, die bei ihren Vorhaben belächelt werden, Frauen im Wissenschaftsbetrieb, denen Unterschriften für Habilitationsstipendien verweigert werden, oder Frauen in Ministerien oder Großfirmen, die nicht an Fortbildungsveranstaltungen teilnehmen dürfen … und die als zickig verschrieen werden, wenn sie gegen dieses Hürdenbauen protestieren – oder einfach nur ignoriert werden.

In der österreichischen Sozialdemokratie gab es einst eine Frauenzeitung mit dem Namen „Die Unzufriedene“. Sie wurde nach dem Krieg auf „Die Frau“ umgetauft. So wird die Wahrheit der Befindlichkeit beschönigt. Frauen sind immer noch unzufrieden – aber nicht nur am 8. März, sondern das ganze Jahr über, wenn sie nicht den Respekt erhalten, den sie verdienen – vor allem finanziell. Deswegen bin ich gegen reine PR-Aktionen, sondern für Demonstrationen und Forderungen in der traditionellen Art: den Marsch der Tausend zum Ballhausplatz oder lokalen Rathaus. Damit macht frau sich zwar nicht beliebt bei den Regierenden, aber sie entwickelt Kraft.