Heute wird also in Wien gewählt …

… und die Wählerstromanalyse wird das Wahlverhalten der Generationen zeigen.

Eigentlich bin ich froh, nicht mehr in Wien zu wohnen – ich täte mir schwer, die Partei zu wählen, deren Mandatarin ich 15 Jahre lang war (von 1973–1987) und der ich seit meinem 11 Lebensjahr und noch immer zugehöre. Sie ist mir zu altmodisch – aber andererseits liebe ich die alte Dame …

In den 1990er Jahren sagte ich einmal zu Johanna Dohnal: „Ich stehe noch immer fest auf dem Boden des Parteiprogramms von 1978, an dem ich selbst mitgewirkt habe“ (als eine der legendären 1.400 ExpertInnen), und Johanna sah aus ihren gut 180 Zentimetern auf mich 20 cm Kleinere herab und sagte in ihrem unvergleichlichen trockenen Humor: „Da stehst‘ aber ziemlich allein!“

Wenn ich heute mit Freunden von damals spreche, seufzen die auch resigniert – und sagen dann „Aber wen kann man denn sonst wählen?“ Ja genau. Zumindest in Wien.

Dennoch: Die Wahlparolen von gestern haben in meiner Vorgeneration gezogen, die noch Parteidisziplin in den Knochen hatte.

Wir – die 1968er Generation – wollen mitbestimmen, dafür haben wir in den 1970er/ 80er Jahren gekämpft – aber nicht über Facebook und Co., sondern in intellektuellen Diskutierzirkeln, wie wir sie damals gewohnt waren, mit den SpitzenpolitkerInnen – und die waren damals ausgewiesen Fachkompetente, nicht nur Verwaltungs- und Fernsehexperten wie heute (bewusst männliche Sprachform – denn: Wo bleiben die Frauen?).

Ich bin neugierig, wie die Wahl ausgeht.