Elefantenrunde

Heute Abend werden wir Zuschauer der „Elefantenrunde“ im ORF sein. Ich werde es mir antun. Ich mag Elefanten. Wie schwer die sind, und wie viel die fressen! In der freien Natur fressen sie ganze Wälder kahl. Die Bäume gehen dann ein. Aber sie kacken riesige Knödel, in denen so viele Fasern enthalten sind, dass man aus ihnen Papier machen kann. Und Trinkbecher. Jemand hat mir ein Set solcher Becher aus Indien mitgebracht, die habe ich noch nicht verwendet, das hübsche Briefpapier schon. Elefanten sind gewichtige Tiere. Weshalb die Elefantenrunde auch Elefantenrunde heißt. Der Begriff wurde im Jahr 2006 in Deutschland von Fernsehjournalisten für den runden Tisch erfunden, er wird dann verwendet, wenn an ihm wichtige Politiker sitzen.

Welchem der fünf  Kandidaten oder der Kandidatin werde ich meine kostbare Stimme geben? Ich weiß es bis jetzt nicht. Richard Lugner? Der deutsche Edelkabarettist Urban Priol hat am Sonntag in Ö1 im „Café am Sonntag“ gemeint, seine Wahl würde auf Lugner fallen. Er hält Lugner für einen großartigen Grüßaugust. Der, wie man privat weiß, gar nicht so doof und vulgär ist, wie er sich gibt. Alles nur PR für die Lugner-City. Über Lugners Mitbewerber schwieg Priol, er hält den Präsidentenjob nämlich für überflüssig. Ich übrigens auch. So wie den ganzen imperialen Rahmen. Er passt in die Tourismuswerbung, aber nicht in unsere Zeit. Wir haben eben keine Queen.

Ich muss mich also, mangels an architektonischen und personalen Alternativen fragen, wer von den fünf am besten in die Hofburg passt (Lugner grüßt schon am Portal). Ich  stelle sie mir in den imperialen Räumen und Möbeln der Hofburg vor.

Also, Herrn Hundstorfer sehe ich hier nicht: Erstens, weil sein proletarischer Slang ein aussterbendes Idiom ist, das kein ausländischer Gast aber auch kein Gewerkschafter unter fünfzig versteht, man spricht jetzt nämlich anders in Arbeiterkreisen. Und zweitens weil der Wortstamm „Hund“ jeden Staatsgast aus Arabien beleidigt, was diplomatisch unklug ist. Sich vor dem Eintritt ins Präsidentenamt aber noch umzubenennen, etwa in Rudolf Scharia geht sich nicht mehr aus.

Und Frau Griss? Die müsste ich wählen, denn sie ist eine Frau. Und, zugegeben, nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur, hatte ich dies auch vor. Sie ist gebildet, hat von Politik wenig Ahnung, das hat mir gefallen. Und sie hat Falten, wie ich.  Seit sie ihren Hals, kaum ist eine Kamera da, nach oben und nach vor reckt wie eine Gans, um die Falten zu bügeln, gefällt sie mir nicht mehr.

Van der Bellen? Ein Dressman der Nation. Erstaunlich wie gut er mit seinen Falten aussieht, hat er mit dem Kettenrauchen aufgehört? Er wirkte früher immer so grau und müde. Seinen Hals braucht er nicht zu recken. Er ist ein Mann. Dafür frisst er zuviel Kreide.

Khol wäre mein Kandidat gewesen, weil er ein echter Tiroler ist, ein grader Michl trotz Politik, wenn so etwas möglich ist. Vielleicht sollte ich ihn wählen, obwohl meine ASVG Pension nach wie vor ein Witz im Vergleich zu der ist, die Van der Bellen, Griss und Khol kassieren.  Und Khol als Pensionistenvertreter nichts für Renterinnen wie mich getan hat. Wenn ich dazu verdiene, muss ich weiter in die Pensionskasse einzahlen, meine beamteten Freundinnen nicht.

Nein, ich will einen jungen Präsidenten. Da bleibt nur der Hofer übrig. Den finde ich echt hübsch mit seinem Gehstock. Er rührt mich. Leider ist er bei jener Partei, die ich nicht wähle. Macht nix sagt meine Tante Erna, sie wird ihn wählen, sie sagt,  der Van der Bellen ist ja auch nicht grün.

Es wird schwierig. Aber vielleicht hilft mir die Elefantenrunde, eine Entscheidung zu treffen.