Die Drau

Am Weltfrauentag denke ich an einen wunderbaren Fluss: DIE DRAU

Von Innichen aus wandere ich zum Flussbett der Drau die aus ihren Quellen im Wald quer über das Toblacher Feld fließt, ein von Grassoden beinahe erdrücktes, dünnes Bächlein aus dem nach hunderten Kilometern ein mächtiger Fluss werden wird. Gesäumt von Haseln und Weiden sucht sie ihren Weg über das Feld in Richtung Norden bis sie, in der Talsohle, von einer fernen Kraft angezogen, einen Bogen macht und auf nur wenigen Metern um 90Grad die Richtung wechselt. Von da an wird sie ostwärts bis in Donau und mit dieser ins Schwarze Meer fließen, sie wird der einzige in Italien geborene Fluss sein, den es nicht ins Mittelmeer zieht.

drau_01Der Schnee am Toblacher Feld glitzert in der Sonne, ich verlasse die Langlaufloipe und folge einer Fußspur über die Schneedecke bis ich am Ufer der jungfräulichen Drau angelangt bin und ihr bis zu ihren Quellen, die jetzt ganz unter dem Schnee im Wald liegen, folge. Ein Ort der zur Andacht einlädt.

Ich war schon einmal hier, als Fünfjährige, an der Hand meines Großvaters der mir davon erzählte wie aus dem winzigen Bächlein einmal ein riesiger Fluss wird. Wir setzten ein Schiffchen aus Papier ins Wasser, das bis zur Donau und auf dieser bis ins Schwarze Meer fahren sollte, dort, am Ende ihres Lebens werde die Drau verdunsten, in den Himmel steigen um als Regen wieder auf die Erde, hierher, aufs Toblacher Feld zu fallen. Jedem Anfang wohnt ein Ende inne und jedem Ende ein Anfang, sagte der Großvater, nichts auf der Welt geht verloren. Ich hörte ihm zu. Seine Wort und das Bild des Bächleins sind mir ein Leben lang geblieben. Vor drei Jahren, als ich mein Buch „Typisch Kroatien“ (Verlag Styria), schrieb erinnerte ich mich wieder daran. Ich befand mich an der Mündung der Drau in die Donau, bei Osijek, in Kroatien. Ich fuhr mit einem Nationalpark-Guide durch die Au des „Kopacki Rit“, wo sich die Drau, breit, grau und müde im sumpfigen Delta und in der Donau verliert. An der Mündung beschloss ich, wieder einmal an den Ursprung zu wandern an dem ich jetzt stehe.

Von Toblach über Lienz bis Spital an der Drau war ich im letzten Jahr schon mit dem Rad unterwegs und habe mich weniger mit dem Radfahren, als mit den Schätzen beschäftigt die am Ufer der jungen noch ungebändigten, im natürlichen Verlauf belassenen Drau darauf warten, gehoben zu werden. Dazu gehören die vielen kleinen Kirchlein.

Im oberen Drautal besuchte ich das bescheidene Kirchlein des heiligen Rupertus in Obergottesfeld, ein romanischer Bau, 1166. Frau Rainer (Telnr. Im Tourismusamt Sachsenburg hat den Schlüssel)

drau_03Sehenswert ist die Georgskirche in Gerlamoos mit den Fresken des „Thomas von Villach“ (1486). Den Schlüssel gibt es nicht beim Wirt wie im Roman von Alois Brandstetter „Hier kocht der Wirt“ sondern bei Frau Hopfgartner die unter dem Interesse der Besucher stöhnt die wegen der Statue der „Heiligen Kümmernis“ her kommen, die eine der Conchita Wurst sein könnte. Die „Heilige Kümmernis“, eine der letzten im Alpenland, wo die Figur im 18.Jahrhundert sehr verbreitet war, aber im Zuge gewisser Säuberungen aus fast allen Kirchen entfernt wurde, ist ein geschminkter, schöner Mann mit Bart und langem Haar, der am Kopf eine Krone trägt, am Körper ein langes, fließendes Kleid und an einem Fuß einen goldenen Schuh. Er könnte auch eine Sie sein, so genau weiß man es nicht.

Das älteste Kirchlein ist die Athanasiuskirche in Berg im Drautal deren Bau auf Athanasius, den abgesetzten Bischof von Alexandrien in Ägypten zurück geht, und der auf seinem Weg in die Verbannung nach Trier im Jahr 335 hier rastete.

Oder die Talenge, das „Tiroler Tor“ das in Tirol das „Kärntner Tor“ heißt. Die Burg Stein die eine Burg wie aus dem Märchen ist. Die schmucken, sonnendurchfluteten Orte an den Südhängen. Die Drau-Wege der der Luther Bibel. Der Pfad des Santonino, des Sekretärs des Bischofs von Aquileia. Und Villach! Nicht im Fasching, sondern auf den Spuren der großartigen Anna Neumann.

Legendär ist Anna Neumann (1535–1623), weil sie sechs Mal verheiratet war obwohl es viele andere Gründe gäbe, ihr einen Platz unter Österreichs großen Töchtern zu geben. Anna war die Tochter des Villacher Kaufmanns Wilhelm Neumann und seiner tüchtigen Frau Barbara, die mit Anteilen an Quecksilbergruben soviel Geld verdienten, dass sie es Adeligen, die sich in Geldnot befanden borgten. Seit Kaiser Maximilian 1496 den Juden das Geldverleihen verboten hatte, war es in den besseren Kreisen üblich, sich untereinander Geld zu leihen. Bekam man es mit Zins und Zinseszinsen nicht zurück, so nahm man auch den verpfändeten Grundbesitz an Zahlung statt. In Falle der bürgerlichen Neumanns begann man mit Schloss Wasserleonburg im unteren Gailtal, ein Schloss zu dem über 200 bewirtschaftete Huben zählten. Hier wuchs Anna auf. Ihr erster Ehemann, Freiherr von Thannhausen dem sie zwei Töchter schenkte, verstarb schon nach dreijähriger Ehe, die zweite Ehe mit Christoph von Liechtenstein war ein gutes Geschäft. Er war Schuldner von Annas Mutter Barbara und auch sonst nicht liquid. Geschickt erwarb Anna die in ganz Österreich verpfändeten Güter der Liechtensteins, u.a. auch Murau.   Sie heiratete in dritter Ehe ihren protestantischen Glaubensbruder Ludwig Ungnad von Sonnegg, den Sohn des steirischen Landeshauptmannes und Mäzens des slowenischen Reformators Primoz Trubar, des Begründers der slowenischen Schriftsprache. Sie war bald Witwe und heiratete, mit Fünfzig den evangelischen Freiherrn von Teuffenbach und nachdem auch dieser bald verstorben war, nahm die rüstige Anna den 30ig Jährigen Ferdinand von Salamanca-Ortenburg zum Mann. Anders als sein Vater Gabriel, dem es als Schatzmeister von Kaiser Ferdinand I gelungen war, die kaiserlichen Schulden zu reduzieren, war Ferdinand eine schwächliche Figur. Er verstarb bald. Nur Annas Letzter, Graf Schwarzenberg überlebte und beerbte sie und legte mit ihrem Vermögen den Grundstein für das heutige Vermögen der Schwarzenberg.

drau_02Ab Villach wird die Drau zur schönen, vollbusigen jungen Frau, im Rosental, steht sie in ihrer mütterlichen, fruchtbaren Blüte zur vollen Talbreite aufgestaut, ihre Energie den E-Werken der Kelag schenkend. Die Drau in Slowenien, wo sie bis zum Äußersten ausgebeutet wird und das Atomkraftwerk Krsko kühlt, so wie die Drau in Kroatien, wo sie zum Teil Grenzfluss zu Ungarn ist, kenne ich noch zuwenig. Aber auch für diese Reise werde ich mir Zeit nehmen, Zeit für die Burgen und Schlösser, die Weinberge und all die Symbole der Ernte, den Herbst des Lebens. Es wird eine Reise mit dem Auto, die Drau entlang sein, vielleicht auch mit dem Rad. Es gibt einen Radweg der bis Marburg fertig und bis nach Osjek in Planung ist. Und sogar die Möglichkeit, im untersten Verlauf des Flusses mit einem Schiff zu reisen.