Im Börserl

Ich habe meine Brieftasche mit allen Kreditkarten an einem Ort vergessen, an dem sie sicher ist. An den Ort komme ich erst in einigen Wochen zurück. Also habe ich von der Bank Geld abgehoben, das war möglich. Und in mein Börserl getan. Seit mir kein Bankomat Geld ausspuckt, gebe ich automatisch weniger Geld aus. Ich haushalte mit meinem Budget, das sichtbar in Form von Geldscheinen und Münzen im Börserl ist.

Immer mehr Menschen zahlen angeblich mit Kreditkarte. Immer mehr Menschen wollen auch im Supermarkt mit dem Handy zahlen. Und immer mehr Menschen sitzen in der Schuldenfalle. Ich behaupte, nach einer Woche Selbstversuch, dass das Geldholen aus dem Bankomaten und das Bezahlen mit Plastikkarten Schuld dran ist, dass die Menschen den Überblick über ihre finanziellen Möglichkeiten verlieren.

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Von Vätern und Brüdern

Der ehemalige französische Europa-Abgeordnete Roger-Gérard Schwartzenberg nennt in seinem Buch „Politik als Showgeschäft“ vier Männertypen (und drei weibliche), die in der Politik erfolgreich sind: den Vater, den Helden, den Technokraten und den netten Herrn von nebenan.

Bruno Kreisky beispielsweise war – vom Reden wie von der Optik – eine typische Vaterfigur, ebenso Raab und Gorbach. Helden hatten wir in Österreich in der Zweiten Republik keine – so wie Frankreich Charles de Gaulle – das ergibt sich aus unserer Zeitgeschichte; der Heldenansatz, den Josef Cap mit seinen drei Fragen an Burgenlands Landeshauptmann Theodor Kery präsentierte, verschwand in den Jahren darauf infolge seiner Selbstdarstellung als Hyperintellektueller – sowas kommt in der Sozialdemokratie nicht gut an. Das bekam auch Alfred Gusenbauer zu spüren …

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Junge Väter

junge-vaeter_01Jetzt ist er da, unser erster Enkel. Oscar. Er ist wirklich süß. Ein strammer Junge mit schwarzen langen Haaren und einer Haut in der Farbe von Milchkaffee. Seine Mama ist Kubanerin, sie lebt schon seit zehn Jahren in Österreich, sein Papa ist mein Sohn, der mittlere von meinen drei. Ich kenn mich aus mit Kinderkriegen. Dennoch werde ich mich nicht einmischen. Das Paar weiß viel mehr als ich es je wusste. Von seinem Einnisten in der Gebärmutter bis zur Geburt wurde der neue Erdenbürger gut überwacht, studiert und geliebt nach den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft. Alles funktioniert heute perfekt, sogar die Beratung zur Kinderpflege, die Hebamme wird das Kind noch bis nach Hause begleiten. Sie zeigte den Eltern wie man es wickelt, wie man den Kleinen trägt. Niemand ist mehr auf Großmutters Tipps angewiesen. Es gibt zwölf Griffe mit denen ein Baby sicher im Arm liegt. Und wenn es weint, dann gibt es Positionswechsel die gegen Bauchgrimmen helfen. Will es nicht an die Brust, dann gibt es Tricks, es zum Trinken anzuregen. Und vor der Geburt haben sie noch ein Workshop in „Babytuchwickeln“ absolviert, mit Zertifikat. Und erst die Pampers-Variationen die es heute gibt! Meinen Erstgeborenen habe ich noch mit Stoff gewickelt und neun Monate lang nicht gewusst, ob er ein Bub oder Mädchen wird und ob er gesund ist.

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Pflegeroboter

Die Bioethikkommission im Bundeskanzleramt will klären, welche ethischen Fragen sich beim Einsatz von Pflegerobotern eröffnen, lese ich heute im STANDARD (S. 11).

Das ist doch eigentlich sonnenklar: Eine Maschine kann nie menschliche Zuwendung geben – denn diese Kompetenz erwirbt (oder verliert) man im Zeitverlauf einer Biographie. Den Bedarf danach auch – und wie man aus den Affen-Versuchen von Harry Harlow (1905–1981) weiß, bevorzugten die Affenbabys im Experiment ein gewärmtes Fell auf einem Drahtgestell ohne Fütterungsmechanismus gegenüber Füttern ohne Kuschelbegleitung.

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