Die Präsidentin besucht die Insel

Nun ist es ja klar, dass wir in Österreich keine Präsidentin bekommen werden.

Kroatien dagegen hat schon eine: Kolinda Grabar-Kitarovic

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Punkten

Nun ist also der erste Wahlgang der Bundespräsidentschaftswahl geschlagen, und die Spitzenfunktionäre der Regierungsparteien sehen die Ursache für das schlechte Abschneiden ihrer Kandidaten in der Suggestivwirkung von Meinungsumfragen. Die (ab)wertenden Kommentare in vielen Zeitungen lassen sie hingegen unbeleuchtet – verständlich, denn wer liebt schon Kritik?

Außerdem: Man könnte sich ja den Zorn dieser „Vierten Macht im Staate“ zuziehen wenn man ihr kontert … Dabei wäre es sinnvoll, auch deren Kommentare kritisch zu hinterfragen – quasi als übermedialen Faktencheck. Denn Journalist_innen wissen sicher, dass eine Behauptung, immer wieder wiederholt, deswegen nicht wahrer wird – wohl aber für wahr gehalten wird.

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Die Illusion von der Unabhängigkeit

Offensichtlich glauben die Bundespräsidentschaftskandidat_innen, bei der Bevölkerung gut anzukommen, wenn sie ihre Unabhängigkeit wie eine Fahne oder besser: Schutzschild! vor sich her tragen – aber Unabhängigkeit gibt es nicht. Wir sind alle mehr oder weniger abhängig – und so zu tun, als ob manfrau wie Gott über allen menschlichen Abhängigkeiten thronen könnte, heißt, den Empfänger_innen der Botschaft Sand in die Augen zu streuen.

Wer sich auch nur ein wenig mit Vorurteilsforschung befasst hat, wird sensibel auf die unreflektierten Unterstellungen leider besonders von Angehörigen der Berufe reagieren, die massiv in das Leben von Menschen eingreifen: Das sind vor allem Lehrkräfte, aber auch alle, die Recht sprechen. Dazu zähle ich auch die Beamtenschaft, die über Beihilfen entscheidet.

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Elefantenrunde

Heute Abend werden wir Zuschauer der „Elefantenrunde“ im ORF sein. Ich werde es mir antun. Ich mag Elefanten. Wie schwer die sind, und wie viel die fressen! In der freien Natur fressen sie ganze Wälder kahl. Die Bäume gehen dann ein. Aber sie kacken riesige Knödel, in denen so viele Fasern enthalten sind, dass man aus ihnen Papier machen kann. Und Trinkbecher. Jemand hat mir ein Set solcher Becher aus Indien mitgebracht, die habe ich noch nicht verwendet, das hübsche Briefpapier schon. Elefanten sind gewichtige Tiere. Weshalb die Elefantenrunde auch Elefantenrunde heißt. Der Begriff wurde im Jahr 2006 in Deutschland von Fernsehjournalisten für den runden Tisch erfunden, er wird dann verwendet, wenn an ihm wichtige Politiker sitzen.

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Projektionen

Unter Projektion versteht man in der Psychoanalyse, eigene Seelenanteile oder Verhaltensweisen von sich abzuspalten und jemand anderem zu unterstellen oder gar vorzuwerfen.

Genau das praktiziert derzeit Erhard Busek, wenn er Andreas Khol vorwirft, er wäre „zu alt“ für das Amt des Bundespräsidenten. Beide sind der gleiche Jahrgang – 1941. Busek war im März 75, Khol wird es im Juli.

Nun könnte man sagen, entscheidend ist die Fitness, also das biologische Alter, und nicht das historische … und in diesem Sinn ist Khol sichtbar der weitaus jüngere. Aber das ist in meinen Augen kein Kriterium.

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Schlecht erzogen?

Meine Kinder habe ich gut erzogen. Das war zeitintensiv und manchmal mühsam. Aber sie lernten wie man isst, grüßt, einen Raum betritt und wie man sich “Höhergestellten“ gegenüber verhält. Mit Höhergestellten meinte man Menschen die älter sind, vor allem ältere Damen. Die waren über das gute Benehmen der jungen Herren immer entzückt. In Bus und Bahn stand ein jüngerer Mensch für einen älteren auf, wenn alle Plätze besetzt waren. Jetzt, in der U-Bahn stehen nur wenige Jugendliche für einen alten oder kranken Menschen auf, Kinder gar nicht. Niemand sagt es ihnen, auch nicht ihre Mütter, für die das Kind offenbar ein Hascherl ist, das in Schule und Kindergarten so gefordert wurde, dass es bei der Heimfahrt in der Straßenbahn einen ganzen Sitz für sich und die Schultasche braucht. Wenn ich ein älteres „unbegleitetes“ Kind das in der U-Bahn auf sein Handy starrt, während es am Behindertensitzplatz sitzt, anstupse und höflich ersuche, nicht für mich, sondern für den alten, gerade eingestiegenen Menschen Platz zu machen, habe ich es noch nie erlebt, dass ein zehn bis vierzehnjähriger Jugendlicher mir nicht gefolgt oder mir eine blöde Antwort gegeben hätte. Im Gegenteil. Irgendwie scheinen die großen Kids sogar dankbar dafür zu sein, dass man sie wahrnimmt und sich um ihr Verhalten kümmert.

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Die österreichische Krankheit

Der international hochrenommierte deutsch-amerikanische Reformpädagoge Frederick Meyer (1921 Frankfurt–2006 Wien) – seine „History of Educational Thought“ wurde in 20 Sprachen übersetzt – nannte Neid die österreichische Krankheit. Sie äußert sich vor allem darin, dass man die Karrieren und Erfolge anderer Menschen vorgeblich „nur kritisch“ heruntermacht, die eigenen aber unter Betonung, dass man eigentlich sehr bescheiden wäre und sich insgeheim des Erfolgs schäme, glorifiziert.

Zu den dabei angewandten „Techniken“ zählt auch der Satz:

„Ja dürfen die das überhaupt?“

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Solidarität

Frau müsse doch aus Solidarität die einzige Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentschaft wählen, meinte heute eine Freundin. Nein, widersprach ich – Solidarität übe ich mit benachteiligten Menschen, nicht mit Privilegierten, die € 9.000,– Pension als normal bezeichnen und dazu noch an Zusatzfunktionen festhalten, die Sitzungsgelder einbringen. Für mich zählt primär Kompetenz – und zwar nicht nur die aus dem Stammberuf. Die finde ich nämlich nach etwa zehn Jahren Berufspraxis als selbstverständlich.

Ich spreche Frau Bundespräsidentschaftskandidatin Griss beispielsweise historische Sensibilität ab.

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Berufsdeformationen

„Das Faktum Frau sei für sie kein Thema“, zitiert Elfriede Hammerl die Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss, „weil sie aus der Juristerei komme, wo es keine Rolle spiele, ob man ein Mann oder eine Frau sei.“

Frau Griss ist Jahrgang 1946 – also zwei Jahre jünger als ich. Ich habe von 1962–1966 an der Universität Wien Jus studiert und konstatiere: Dass sie dieser Ansicht ist, es gäbe „aus der Juristerei“ keinen Anlass, zwischen Männern und Frauen zu unterscheiden, entspricht dem geistigen Niveau von damals. Bei ihr in Graz wird es wohl noch konservativer gewesen sein …

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