Silvesterpunsch

Viktor Adler, der ja Arzt war und das Elend der Favoritner Ziegelarbeiter kannte, wird der Ausspruch zugeschrieben „Der denkende Arbeiter trinkt nicht und der trinkende Arbeiter denkt nicht!“ Diese Erkenntnis führte dann auch zur Gründung des Arbeiter Abstinenten Bundes und seiner Neugründung als „Aktion 0,0 Promille“ nach 1945.

Elend verursacht Dämon Alkohol noch heute – mehr denn je, wenn wir nur an die vielen Verkehrstoten denken, die von Betrunkenen niedergemäht wurden oder in selbstverschuldeter Berauschung die für das Lenken eines Kraftfahrzeugs nötige realistische Selbsteinschätzung verloren.

Alkohol ist ein Nervengift. Das vermittelt auch der bekannte Spruch eines unbekannten Autors:

„Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel. Es löst Familien, Ehen, Freundschaften, Arbeitsverhältnisse, Bankkonten, Leber- und Gehirnzellen auf. Alkohol löst nur keine Probleme.“

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Je Griss desto Ederer

Ein Jurist kann alles, hieß es in der Zeit, in der ich Rechtswissenschaften studierte (1962–1966). Das führte zu Selbstgefällitgkeiten und Selbstgerechtigkeiten.

Später als Psychotherapeutin hatte ich dann etliche Klienten und Klientinnen, die sich in ihrem Beruf nicht nur überfordert fühlten, sondern es tatsächlich auch waren. Inhaltlich nämlich. Denn auch wenn damals im Studium fachspezifische Geschichte und auch ein wenig  Nationalökonomie (und minimal Philosophie, was  nicht zu den Prüfungsfächern zählte) vorgesehen war, vermittelte dies kaum echte Kompetenz auf diesen Gebieten. Geltendrecht dominierte – und das war für die „wissenschaftliche Berufsvorbereitung“ auch sinnvoll.

Jede Berufsausbildung formt auch den Charakter. Das merkte ich beim Umstieg in die Sozialarbeit – dann wieder bei der Psychotherapie und besonders jetzt im Theologiestudium. Besonders auffallend war dies aber in den Jahren, in denen ich zur Politikerin ausgebildet wurde und diese Kompetenz auch in 15 Jahren als Mandatarin praktisch ausgeübt habe. (Genau kann man alles in meiner Biographie auf www.perner.info nachlesen. Die knapp zehn Jahre als Nationalökonomin lasse ich aus – damit konnte ich mich nicht identifizieren.)

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Depression

„Depression ist keine Viruserkrankung. Daher auch nicht ansteckend wie Masern.“ So kommentiert Birgit Braunrath im Kurier auf der Titelseite des 16. 12. 2015 die 31%ige Steigerung an einschlägigen Pychopharmaka. Hoffentlich hat sie Recht, wenn sie damit rechnet, dass sich die neue Vorsitzende des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger für mehr Prävention, mehr Eigenverantwortung und folglich mehr Psychotherapieplätze einsetzen wird, statt der bisher üblichen Symptombekämpfung mit Pillen statt Ursachenforschung durch Dialog.

Dennoch irrt sie in doppelter Hinsicht.

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Moden

Ich würde schon schön schauen, sagte mir einmal der wortgewaltige Salzburger Weihbischof Andreas Laun, wenn die Muslime ans Ruder kämen und ich dann mit einer Burka gehen müsste. Dass mir das nichts ausmachen würde, wollte er mir nicht glauben.

Tatsächlich gehen mir Modediktate immer schon auf den Geist. Vielleicht liegt das daran, dass ich seinerzeit jahrelang das einzige Mädchen in einem humanistischen (heute „altsprachlichen“) Gymnasium für Knaben – denn damals gab es noch keine Koedukation – war. Schminkparties und Shoppingreisen nach München oder Udine  haben keinerlei paradiesische Qualität für mich. Buchhandlungen und Bibliotheken mit Schmökerecken schon.

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Mittelalter oder Sex in der U-Bahn?

Bei den Beerdigungsfeierlichkeiten für König Abdullah in Saudi-Arabien trug Michelle Obama keine Kopfbedeckung. Die „Washington Post“ lobte die Präsidentengattin für ihr „mutiges politisches Statement“. Die Medien im Orient waren empört. Ich finde, sie hätte besser daran getan, ihren auftoupierten Helm mit einem Schleier statt mit Haarspray zu bedecken. Wäre hübscher gewesen. „In Rome do like the Romans do“, diesen Tipp aus dem alten England habe ich mir, als ich die muslimische Welt in den Siebziger Jahren bereiste, zu Herzen genommen. Ob mit Kopftuch, Tschador oder Burka, zünftig verschleiert kam ich, gut versteckt, in malerische Dörfer mit stolzen, biblisch anmutenden Bewohnern, die unterm Ladentisch in der Oase heiße Unterwäsche für ihren Harem kauften. Heiß war mir trotz der Vermummung, weite Leinenhosen, dünne Hemden und ein Strohhut schützen besser vor dem Wüstenklima.

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Haariges

Als sich Ende der 1960er Jahre ab dem Musical „Hair“ etliche Männer zum naturbelassenen Robinson-Crusoe-Aussehen entschieden, jammerten ihnen die Großmütter die Ohren voll, wie ungepflegt dies aussähe und forderten den NS-gewohnten Kurzhaarschnitt – bis über die Ohren abrasiert und Scheitel links – ein. Derzeit taucht er wieder auf, zwar ohne den Scheitel – wie beispielsweise bei Andreas Gabalier – dafür aber mit gestrigen Sprüchen.

Haar- und Barttrachten dienten von alters her religiösen oder politischen Bekenntnissen: So war man zu Beginn unserer Zeitrechnung (Christi Geburt) als Römer glatt rasiert, während sich Araber den Bart stutzten – vor allem zur Unterscheidung von den Juden, die ihren Bart wild wuchern ließen. Auch zeigte die aufwändige Haar- und Bartpflege den Sozialstatus an: je niedriger, desto weniger Haare. Die „G‘scherten“ – Geschorenen – waren zu Gehorsam und Dienen verpflichtet, als Soldaten wie als Haussklaven – oder auch Mönche und Nonnen.

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Beim Barte des Propheten

Über Kopftuch und Burka wird viel diskutiert. Aber wer redet über den Bart?

Seit der Trennung von meinem Partner leiste ich mir einen Personal Fitness Trainer für den Körper und einen Personal Gipsy fürs Gemüt. Für den Rest werde ich auch noch jemanden finden.

Der Fitnesstrainer heißt Jürgen, ist erfrischende 35 und einfühlsam. Wir üben dreimal in der Woche Gleichgewicht, Kraft und Kondition, für Siebzig Euro pro Stunde.

Mein Gipsy heißt Andras, er ist 45 und Bettler. Weiterlesen