„Liebesmüh mit alten Eltern“ …

… so lautet der Titel eines Buches von Elisabeth van Hoesel, und das ist ein Frauenproblem. Denn auch wenn es zwei, drei oder vier Söhne gibt und eine Tochter, so trifft es immer die Tochter (und nicht einmal die Schwiegertöchter, da sehen schon die Söhne dazu, dass ihr Heim-Service nicht gekürzt wird). Das zeigt mir meine jahrzehntelange therapeutische und beratende Erfahrung. Die Tochter chauffiert, die Tochter kocht, die Tochter putzt und: Die Tochter spendet ihre Lebensenergie.

Dank erhält sie selten.

Das sei doch selbstverständlich, heißt es.

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Ein Fleisch sein

Nun ist also die Familiensynode III zu Ende und die Interpretationen der – für viele enttäuschenden – Ergebnisse wird Zeit brauchen.

Jedenfalls weiß man jetzt, wie der aktuelle Meinungsstand in der römisch-katholischen Kirche aussieht. Er unterscheidet sich nicht nur krass von der in der evangelischen Kirche vorherrschenden Sichtweise auf Scheidungen, sondern auch von anderen katholischen Kirchen – die gibt es nämlich auch, sie werden nur medial totgeschwiegen – außer es gibt einen neuen Bischof wie augenblicklich in der Altkatholischen Kirche Österreichs.

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Liebe Rotraud Perner!

Vierzehn Bücher schrieb ich bisher, zwei Bestseller waren darunter. Ich habe damit nicht allzu viel, aber immerhin etwas Geld verdient und konnte stets sogar mit Anzahlungen rechnen. Aber nun habe ich ein Problem: Ich finde keinen Verlag mehr, mit dem ich halbwegs kostendeckend arbeiten kann. Das Thema wird sich nicht so gut verkaufen, heißt es. Damit WIR kostendeckend produzieren können, sollten Sie uns schon zweihundert Exemplare abnehmen. Was? Geht nicht? Ja, dann finden Sie doch einen Sponsor. Die Stadtgemeinde, den Fremdenverkehrsverein oder die Sportwetten. Schauen Sie: Den Radweg Guide haben wir sehr gut verkauft. Der hat sich selber finanziert, die Autorin hat alle Gasthäuser entlang der Route besucht.

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Hormonumstellungen

Als ich in der Pubertät war, erklärte mir niemand, weshalb ich mal himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode betrübt war. Pubertät war kein Thema im Familienkreis. Dabei war ich in der glücklichen Lage, von Wimmerln und sonstigen Hautunreinheiten verschont zu bleiben – anders als einige meiner Klassenkameraden (ich war jahrelang mit Dispens das einzige Mädchen in einem Gymnasium für Knaben, Koedukation gab es damals ja noch nicht), die oft mit einem „Haupt voll Blut und Wunden“ in den Unterricht kamen.

Damals redeten ja auch viele Erwachsene den Jungen ein, das käme vom Masturbieren – wobei die wenigstens Teens von damals dieses Wort zu entschlüsseln wussten – auch die nicht, die Latein gelernt hatten, denn niemand erklärte ihnen, dass der Begriff von manus, Hand, und stuprum, Unzucht, hergeleitet wird. Und schon gar nicht wurde die Wirkung von Hormonschwankungen erklärt. Die Forschung dazu und deren Ergebnisse drangen erst viele Jahre später ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit – nämlich in Bezug auf die Wechseljahre.

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Rosengarten

Es war in den Jahren, als mein Alleinerziehertum mich am heftigsten beutelte. Ich musste erkennen, dass die Verpflichtungen, Geld zu verdienen und eine gute Mutter zu sein, unvereinbar sind. Immer zu wenig Kohle, immer zu wenig Zeit, immer im Stress, immer im Rückstand, so sehr du dich auch zerfranst. Bei einem 9-to-5-Beruf ginge das vielleicht noch, aber im Quasi-rund-um-die-Uhr-Job einer Journalistin? Kurzum, ich war wieder einmal total übermüdet, ausgelaugt, überfordert.

Da kam Betty Friedan nach Wien, die Urmutter des US-Feminismus, Autorin des bahnbrechenden Schmökers „Der Weiblichkeitswahn“, eine Generation älter als Alice Schwarzer. Nach der Pressekonferenz im Club Concordia klagte ich ihr mein Leid: „Nun habe ich eigentlich alle Erfordernisse der Emanzipation erfüllt; habe meinen Wunschberuf, mein eigenes Geld, keine Abhängigkeit von einem Mann, eigene Kinder – aber ich fühle mich elend, ausgebrannt, mies. Ich habe mir die Emanzipation anders vorgestellt.“

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Sexualphobien

Nun ist also der wahrheitsmutige Krzysztof Charamsa nicht nur seiner Vatikanfunktion und Lehrbefugnis enthoben worden sondern vom Bischof seines nordpolnischen Heimatbistums auch seines Priesterstandes, lese ich soeben in ORF online. Nun– die Priesterweihe besitzt „character indelebilis“ habe ich seinerzeit im Jusstudium gelernt – sie ist unaufhebbar. Einmal Priester – immer Priester.

Bei der sexuellen Orientierung ist das nicht so … Ich habe etliche Männer therapeutisch begleitet, die sich jahrelang für genuin schwul gehalten hatten und sich plötzlich in eine Frau verliebten; manche hatten diese dann wieder mit Männern betrogen und so für totales Chaos in der „Beziehungskiste“ gesorgt … und dann gab es wieder heterosexuelle Männer, die sich auf einmal bei einer sportlichen Balgerei oder unter der Gemeinschaftsdusche in einer mehr als erotischen Situation befanden und nachher von Schuldgefühlen zerrissen waren …

Das späte Coming Out hingegen kann als bekannt vorausgesetzt werden.

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„Die Lust auf Sex entstehe allein im Kopf“

„Die Lust auf Sex entstehe allein im Kopf“, jedenfalls bei Frauen, jubelt Barbara Morawec in den heutigen Salzburger Nachrichten, und miteinander über sexuelle Bedürfnisse zu reden wirke so gut wie die „Lustpille“ für die Frau – so eine Untersuchung der MedUni Wien an Frauen, die an einer sogenannten Sexualfunktionsstörung „litten“.

Man beachte die Wortwahl! Sie setzt nämlich voraus, dass eine „funktionierende“ Frau immer Lust haben sollte – und dass sie dann daran leidet … und nicht etwa an der Nörgelei des Partners oder an Unzulänglichkeitsgefühlen in einer Konsumgesellschaft, in der alles mittels Sexbildern und -sprüchen beworben wird.

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Seniorenmut

Dass sich die pensionierte OGH-Präsidentin Irmgard Griss das Bundespräsidentenamt zutraut, erfreut mein feministisches Herz – immerhin habe ich in der Zeit, als ich selbst Kommunalpolitikerin war, in allen frauenspezifischen Schulungen gehört, wir sollten uns doch mehr zutrauen und nicht zögerlich sein – die Männer sagten doch zu jedem Angebot Ja, selbst wenn dieses nur scherzhalber an sie herangetragen würde und alle wüssten, dass sie nicht qualifiziert seien.

Ich erinnere mich noch gut, wie der damalige Wiener Planungsstadtrat Ing. Fritz Hofmann – berühmt geworden, weil  er nach dem Einsturz der Reichsbrücke 1976 zurücktreten musste – bei einer Frauentagung in der Steiermark vom Rednerpult aus verkündete, eine Frau, die in der Politik Karriere machen wolle, müsse nicht nur fachlich kompetenter sein als die männlichen Mitbewerber, sondern auch so schön, „dass man sie jederzeit über einen Laufsteg schicken könne“.

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Männerphantasien

Der Trientiner Priester Gino Flaim, 75,  verkündete unlängst in einem italienischen TV-Sender, er verstehe, wieso  manchen seiner Berufskollegen Pädophilie vorgeworfen werden könne: Es gäbe nämlich Kinder, die Zuneigung suchten, weil sie diese zu Hause nicht bekämen – und dann suchten sie sich einen Priester, und mancher gäbe eben nach.

Projektion nennt man diese Denkweise in der Psychoanalyse; in der Bibel wird dieses Phänomen in Matthäus 7,3 mit der Frage angesprochen: Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Im Klartext: Der eigene Mangel an Zuneigung – oder sexuelles Interesse – wird nicht wahrgenommen, sondern dem Objekt der Begierde unterstellt.

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Nach der Wienwahl: Sprachverwirrungsspiele

Die Situation in Simmering sei inakzeptabel, zitiert der heutige Kurier den alten/neuen Wiener Bürgermeister Michael Häupl. Was meint er damit? Das Wahlergebnis? Das wird man, so man sich als Demokrat versteht, wohl oder übel akzeptieren müssen. Und: Dass man „die ehemalige Sekretärin und Witwe von Bezirkslegende Johann Hatzl zur Bezirksvorsteherin gemacht“ habe, wäre als katastrophaler Fehler kommentiert worden. Die „Sekretärin“ war dies übrigens in der Zeit, als ich dort Bezirksrätin war, in der Bezirksvorstehung Favoriten beamtet und durchaus kompetent in Sachen Bezirksverwaltung, wenn auch eine eher stille Frau und nicht so dröhnend wie der Bürgermeister und sein Herausforderer, der sich so gerne duellieren wollte.

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