Mutig in die neuen Zeiten …

Ecclesia semper reformanda. Dieser Grundsatz (Augustinus von Hippo zugeschrieben, tatsächlich aber im Calvinismus verortet) wird üblicherweise mit „Die Kirche ist immer zu reformieren“ übersetzt. Ecclesia heißt aber eigentlich „Versammlung“ (im Sinne von aus ihren Häusern Herausgerufenen).

Aus systemtherapeutischer Sicht deutet dieser Erneuerungsaufruf auf die Notwendigkeit regelmäßiger Überprüfung, ob Regeln und Gewohnheiten noch funktional sind.

In der systemischen Familientherapie wird etwa das stolze Wort einer Mutter „Ich habe mein Kind noch nie allein gelassen!“ sofort mit der Frage nach dem Alter des Kindes beantwortet: Was für ein Baby im ersten Lebensjahr ein (unerreichbares, denn Mutter muss ja auch mal auf die Toilette) hohes Ideal skizziert, erweist sich ein paar Jahre später bereits als massive Behinderung der Selbstentwicklung des Nachwuchses.

Die Frage, die sich immer stellt und stellen sollte, lautet also:
Was ist das jeweils konkrete Ziel und danach, mit welchen Methoden kann man es erreichen.

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Die Palmström-Doktrin

Selbst diejenigen, die sich nie in die Gedankenwelt Christian Morgensterns vertieft haben, kennen vermutlich seine Geschöpfe Palmström (und vielleicht sogar den weniger oft zitierten Korf).

Vor allem die „unmögliche Tatsache“ ist bekannt, in der Palmström, von einem Kraftfahrzeug überfahren, nach einem juristisch Schuldigen sucht: „Eingehüllt in feuchte Tücher/ prüft der die Gesetzesbücher/ und ist alsobald im klaren: Wagen durften dort nicht fahren! Und er kommt zu dem Ergebnis: Nur ein Traum war das Ergebnis. Weil, so schließt er messerscharf; nicht sein kann, was nicht sein darf.“

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Stimmzauber

Ich soll eine psychologische Expertise für die Dating-App „whispar“ abgeben, das sich von der Konkurrenz dadurch unterscheidet, dass man der Stimme zuhören kann.

Hoffentlich ist es die echte … denken wir nur an Edmond Rostands Versdrama „Cyrano de Bergerac“ (1897), in dem der wegen seiner überdimensionalen Nase unattraktive Titelheld versteckt mit seiner betörenden Stimme seine eigenen Liebesgedichte an Stelle des tölpelhaften Anbeters der Geliebten vorträgt …

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Selbstinszenierung

Wie viele Frauen meiner Generation wurde ich noch auf bescheidenes Auftreten hin trainiert. Bestenfalls durften wir anmutig sein. Durchsetzungskraft war verpönt, und Shakespeares „widerspenstiges Käthchen“ als Drohbild – „Sonst bekommst du keinen Mann!“ – allgegenwärtig. Da ich einige Jahre das einzige Mädchen in einem Knabengymnasium war – mit Dispens, denn damals gab es noch keine Koedukation – erhielt ich Doppelbotschaften: die von der Oma und die in der Schule. Die Folge war, dass ich mich zwar in gewohnten, d. h. erlernten Situationen gut behaupten konnte, vor unbekannten aber scheute.

Ich erinnere mich noch gut, wie meine übersichere Mutter, ich im Schlepptau dahinter trappelnd, für mich Rechtswissenschaften immatrikulierte. Diese Schüchternheit habe ich erst Jahre später im Rede- und Diskussions-Training als Funktionärin einer politischen Partei verloren. Ich bin meinen Genossinnen für ihre Ermutigungen sehr dankbar.

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Warum der Name „Tao-Frau“? | Eine Absichtserklärung

Tao bedeutet im Chinesischen unter anderem „Weg“.

Als ich 1997 mein Buch „Die Tao-Frau – der weibliche Weg zur Karriere“ bei C. H. Beck, München, heraus brachte, wollte ich mir dem Titel das Verbindende herausstreichen, etwas, das Frauen sehr wichtig ist: nicht im Kampf (Yang) das jeweils Andere besiegen oder gar zu vernichten wollen, sondern ein harmonisches Miteinander zu gestalten.

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Die Tao-Frau | Rückblick & Vorschau

Als ich am 1. Oktober 2015 das fünfjährige Studium der Fachtheologie in Bestzeit abschloss, packten mich „Entzugserscheinungen“:  Auf einmal keine Seminararbeiten zu schreiben, die Masterarbeit (über evangelische im Unterschied zur römisch-katholischen  Sexualethik) abgeschlossen … ich fühlte mich unterfordert. Da kam mir die Idee, gemeinsam mit Freundinnen eine Art online-Zeitung zu gestalten für „reife“ Frauen … so als Gegengewicht zu den Girlie-Blogs, wo es nur um Mode und Kochen geht.

Mir schwebte eher vor, dass es in dieser Gemeinschaftsarbeit um Gesundheit und Gesellschaft gehen sollte – denn wie die Gesellschaft vielfach mit älteren Frauen umgeht, ist nicht unbedingt „salutogen“ – d. h. der Gesundheit förderlich.

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