Die Palmström-Doktrin

Selbst diejenigen, die sich nie in die Gedankenwelt Christian Morgensterns vertieft haben, kennen vermutlich seine Geschöpfe Palmström (und vielleicht sogar den weniger oft zitierten Korf).

Vor allem die „unmögliche Tatsache“ ist bekannt, in der Palmström, von einem Kraftfahrzeug überfahren, nach einem juristisch Schuldigen sucht: „Eingehüllt in feuchte Tücher/ prüft der die Gesetzesbücher/ und ist alsobald im klaren: Wagen durften dort nicht fahren! Und er kommt zu dem Ergebnis: Nur ein Traum war das Ergebnis. Weil, so schließt er messerscharf; nicht sein kann, was nicht sein darf.“

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Stimmzauber

Ich soll eine psychologische Expertise für die Dating-App „whispar“ abgeben, das sich von der Konkurrenz dadurch unterscheidet, dass man der Stimme zuhören kann.

Hoffentlich ist es die echte … denken wir nur an Edmond Rostands Versdrama „Cyrano de Bergerac“ (1897), in dem der wegen seiner überdimensionalen Nase unattraktive Titelheld versteckt mit seiner betörenden Stimme seine eigenen Liebesgedichte an Stelle des tölpelhaften Anbeters der Geliebten vorträgt …

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Selbstinszenierung

Wie viele Frauen meiner Generation wurde ich noch auf bescheidenes Auftreten hin trainiert. Bestenfalls durften wir anmutig sein. Durchsetzungskraft war verpönt, und Shakespeares „widerspenstiges Käthchen“ als Drohbild – „Sonst bekommst du keinen Mann!“ – allgegenwärtig. Da ich einige Jahre das einzige Mädchen in einem Knabengymnasium war – mit Dispens, denn damals gab es noch keine Koedukation – erhielt ich Doppelbotschaften: die von der Oma und die in der Schule. Die Folge war, dass ich mich zwar in gewohnten, d. h. erlernten Situationen gut behaupten konnte, vor unbekannten aber scheute.

Ich erinnere mich noch gut, wie meine übersichere Mutter, ich im Schlepptau dahinter trappelnd, für mich Rechtswissenschaften immatrikulierte. Diese Schüchternheit habe ich erst Jahre später im Rede- und Diskussions-Training als Funktionärin einer politischen Partei verloren. Ich bin meinen Genossinnen für ihre Ermutigungen sehr dankbar.

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Warum der Name „Tao-Frau“? | Eine Absichtserklärung

Tao bedeutet im Chinesischen unter anderem „Weg“.

Als ich 1997 mein Buch „Die Tao-Frau – der weibliche Weg zur Karriere“ bei C. H. Beck, München, heraus brachte, wollte ich mir dem Titel das Verbindende herausstreichen, etwas, das Frauen sehr wichtig ist: nicht im Kampf (Yang) das jeweils Andere besiegen oder gar zu vernichten wollen, sondern ein harmonisches Miteinander zu gestalten.

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Die Tao-Frau | Rückblick & Vorschau

Als ich am 1. Oktober 2015 das fünfjährige Studium der Fachtheologie in Bestzeit abschloss, packten mich „Entzugserscheinungen“:  Auf einmal keine Seminararbeiten zu schreiben, die Masterarbeit (über evangelische im Unterschied zur römisch-katholischen  Sexualethik) abgeschlossen … ich fühlte mich unterfordert. Da kam mir die Idee, gemeinsam mit Freundinnen eine Art online-Zeitung zu gestalten für „reife“ Frauen … so als Gegengewicht zu den Girlie-Blogs, wo es nur um Mode und Kochen geht.

Mir schwebte eher vor, dass es in dieser Gemeinschaftsarbeit um Gesundheit und Gesellschaft gehen sollte – denn wie die Gesellschaft vielfach mit älteren Frauen umgeht, ist nicht unbedingt „salutogen“ – d. h. der Gesundheit förderlich.

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Kopfgeld

46 Jahre, also viel länger als üblich, leistete ich meine Sozialbeiträge zum Wohl der Allgemeinheit. Netto bekomme ich nun rund 2200 Euro vierzehn Mal im Jahr. Die Fixkosten (Krankenzusatzversicherung, alternative Gesundheitsvorsorge und Krebsnachsorge, Betriebskosten für die Wohnung,  Sport- und Vereinsaktivitäten, Fahrtkosten) betragen rund eintausend Euro. Von einem Zusatzeinkommen kassiert der Staat die Hälfte. Mir geht es finanziell gut, und den Pensions-Hunderter den wir nun (fast) alle bekommen, will ich nicht haben. Ich hätte lieber eine Inflationsanpassung wie die arbeitende Bevölkerung sie bekam, schließlich zahlte ich 48 Jahre lang nicht in m e i n e Pension ein, sondern finanzierte damit den Sozialstaat der jeweiligen Gegenwart.

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Political Correctness

Rosemarie Schwaiger zitiert in ihrem Text über „Moralverkehr“ (profil 43 vom 24. Oktober 2016) wohlwollend den britischen Historiker Timothy Garton Ash mit „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der wir jede Minute ängstlich aufpassen müssen, was wir sagen und was nicht.“

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Indiskretionen

„Über die Todesursache sei nichts bekannt“ las ich in der Nachricht über das Ableben von Manfred Krug. Der beliebte Schauspieler wurde 79 Jahre alt.

Ich frage: Darf man in diesem Alter einfach nur die Welt verlassen? Muss man dazu einen Krankheitsgrund haben? Und selbst wenn – wen geht das was an?

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Gedanken über die Freiheit das gute Benehmen

Als Benutzerin der Linie U6 in Wien bin ich mitten in der neuen Wiener Gesellschaft, unter Kopftuchmüttern mit zwei oder mehr Kleinkindern auf dem Weg ins AKH, unter Jugendlichen sämtlicher Hautschattierungen, die ihrem Sozialstatus gemäß gestylt sind, unter ehrwürdigen, älteren Zuwanderern, die meist paarweise unterwegs sind (bei denen nicht immer nur die Frauen jene sind die schweigen), unter armen Teufeln mit riechbaren Alkoholproblemen (auf amerikanisch: white trash) und unter Verrückten.

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